Bio ist nicht gleich Bio – oder doch?

Bio liegt momentan total im Trend. Erst gestern habe ich gelesen, dass ein bekannter Discounter seine Produktpalette umstellt und noch viel mehr Bio-Produkte anbieten möchte.
Bio-Produkte sind meistens teurer als Produkte aus herkömmlichem Anbau und geben dem Verbraucher das Gefühl, gesund zu kaufen und sich gesund zu ernähren. Doch ist das wirklich so? Oder kann man auch beim Kauf von Bio-Produkten etwas falsch machen?

Bevor ich zum eigentlichen Artikel komme, möchte ich kurz eine kleines Statement abgeben, warum ich dieses Thema auf meinem Mama-Fitness-Blog veröffentliche – kurz: Was haben Mamafitness und Bio-Nahrung gemeinsam? Fitness und Bewegung sind eine tolle Sache! Das Ergebnis wird noch besser, wenn dabei die Ernährung stimmt. Gerade Mütter in und nach der Schwangerschaft sind besonders sensibel und reagieren schnell auf falsche und krankmachende Ernährung.Und auch für die gesunde Entwicklung der Kinder ist eine gesunde Ernährung unumgänglich. Es nützt nichts, wenn die Mutter sich während der Stillzeit ungesund ernährt und die Schadstoffe, die sie über die Ernährung eingenommen hat über die Muttermilch an ihr Baby weiter gibt. Doch nicht nur die Mütter profitieren vom bewussten Umgang und einer ganzheitlichen gesundheitsbewusster Ernährung, auch alle anderen Menschen empfehle ich, darauf zu achten. Egal ob jung, alt, Bürohengst oder Leistungssportler 😉

Die Nachteile, die Lebensmittel aus konventionellem Anbau mit sich bringen, lasse ich bewusst aus diesem Artikel raus. Heute geht es um Bio-Qualität und worauf man beim Kauf achten sollte.

Links: Siegel nach EU-Bio-Richtline. Rechts: Das veraltete EG-Siegel.

Tatsächlich gibt es Unterschiede beim Anbau von Bio-Produkten. Zuerst muss man wissen: Bio-Produkte werden immer mit einem Siegel als solche gekennzeichnet. Es gibt das Bio-Siegel nach EU-Regeln und es gibt Bio nach Verbandsregeln. Auf jedem Produkt, welches mit dem EU-Bio-Siegel gekennzeichnet ist, muss auch Bio drin sein. Es gibt Vorgaben und Unterschiede, die von der EU festgesetzt sind, und nach denen müssen sich die Erzeuger richten. Steht auf einem Produkt etwas von Bio, gewissenhafter Anbau oder was auch immer drauf, was sich gut anhört – aber ohne Bio-Siegel, dann muss man aufpassen, ob es sich dabei tatsächlich um Bio-Anbau handelt.

Die Bio-Produkte, die von verschiedenen Verbänden kommen, haben neben den EU-Bio-Richtlinien zusätzlich eigene Richtlinien, die die Anforderungen an Anbau, Herrkunft und die Qualität des Endproduktes nochmals viel strenger Bewerten. Bei Produkten von dieser Herrkunft kann der Verbraucher tatsächlich sicher sein, dass hier auch Bio drin ist.

demeter: Hier steckt tatsächlich Bio drin.
Bekannte Verbände sind unter anderem demeter, der einzige Verband für biologisch-dynamischen Anbau oder Bioland, ein Verband für organisch-biologischen Anbau.

Was macht den Unterschied im Einzelnen aus zwischen Verbandsbio und EU-Bio? Hier ein paar Beispiele:

Bewirtschaftungsform: Nach EU-Verordnung reicht eine Teilumstellung des Betriebes aus und lässt somit einen teilweisen biologischen, aber auch einen teilweisen ökologischen Anbau zu. Anders bei den Verbänden: Die Betriebe müssen ihren kompletten Betrieb auf ausschließlich ökologischen Anbau umstellen.

Organische Handelsdünger: Laut EU-Richtlinie sind Blut-, Fleisch-, Knochenmehle und Guano zugelassen. Die Verbände hingegen verbieten den Einsatz solcher Düngemittel.

Kuhtrainer: Quelle Wikipedia: Als Kuhtrainer wird ein temporär, seltener ein permanent unter Strom stehender Metallbügel bezeichnet, der die Tiere beim Koten/Harnen zum Zurücktreten bis an den Mistkanal zwingen soll. Der Kuhtrainer findet vor allem in der Anbindehaltung von Rindern Verwendung. Er wird etwa fünf Zentimeter über dem höchsten Punkt des Rückens angebracht. Wenn die Kuh zum Abkoten den Rücken wölbt, erhält sie – ähnlich der Berührung eines Elektrozauns – einen Stromschlag, der sie veranlasst, einige Schritte nach hinten zu treten, in Richtung Kotgraben auf der Stallgasse. Wenn sie dort kotet, erhält sie keinen Stromschlag. Der Kuhtrainer dient also der Sauberhaltung der Boxen. Die Tiere kommen jedoch nicht nur beim Koten und Harnen mit dem Kuhtrainer in Kontakt, sondern auch bei anderen Bewegungen, beispielsweise wenn sie sich lecken wollen. Dies führt dazu, dass die durch die Anbindung ohnehin bereits erheblich beschränkte Bewegungsfreiheit zusätzlich reduziert wird, die Kühe unter Verkrampfung also ständig natürliche Bewegungen und Verhaltensweisen unterdrücken müssen.
Die Verbände verbieten den Einsatz von Kuhtrainern. Die EU-Richtlinie hingegen hat hierfür keine Regel. Lediglich in einigen Mitgliedsländern sind sie durch Tierschutzgesetze verboten).

Futterzukauf: Laut Verbands-Bio müssen mindestens 50% des Futters aus eigenem Anbau stammen. Die EU-Richtlinien schreiben keine eigene Futtererzeugung vor. Somit ist es für den Verbraucher schwer nachzuvollziehen, woher das Futter kommt und was es beinhaltet.

Verarbeitung: Die Verbände schreiben vor, dass die Produkte nur dann mit „Bio“ gekennzeichnet werden dürfen, wenn die Zutaten tatsächlich zu 100% aus ökologischer Herkunft sind. Bei EU-Bio reichen 95% aus.

Aber auch bei der Verarbeitung von Lebensmitteln sind deutliche Unterschiede zwischen Verbands-Bio und EU-Bio zu erkennen:

Fruchtsaft: EU-Bio erlaubt die Herstellung aus Konzentraten, Verbands-Bio erlaubt nur reine Presssäfte. Die Früchte müssen direkt nach der Ernte gepresst und zu Saft verarbeitet werden.

EU-Bio erlaubt Enzyme wie Amylase und Ascorbinsäure im Mehl für die Herstellung von Brot. Verbands-Bio verbietet solche Inhaltsstoffe.

Natürliche Aromen sind laut EU-Bio erlaubt, laut Verbands-Bio verboten, bzw. bei einigen Verbänden auf sehr wenige Produkte beschränkt.

Zitronensäure ist laut EU-Bio erlaubt, Verbands-Bio regelt den Einsatz in wenigen Bereichen, bei demeter ist es sogar komplett verboten.

So geht es weiter, ebenfalls bei Ascorbinsäure (Synthetisches Vitamin C), Verdickungsmitteln, Emulgator Lecithin, Nitritpökelsaltzen und anderen Lebensmitteln ist der Einsatz laut EU-Bio erlaubt, laut Vebands-Regeln verboten oder stark eingeschränkt.

Das Verbands-Bio sieht vor, dass Produkte von regionalen Anbietern und zu saisonallen Zeiten auf den Markt kommen. EU-Bio-Ware kann von überall herkommen. Wer kennt sie nicht, die Kartoffeln, die Bio sind, aber aus Ägypten stammen? Kartoffeln brauchen für die Produktion sehr viel Wasser, Wasser ist in Teilen Ägyptens sehr knapp und wird dann den Einwohnern entzogen, damit die „guten Bio-Kartoffeln“ schön wachsen und bei uns verkauft werden können.

Der Lebensmittel-Unternehmer Walter Dänzer aus der Schweiz gründete 1996 ein Labor zur Qualitätsforschung. Was er entdeckte, war erstaunlich:
Zitat: Während Bio-Trauben unter dem Mikroskop wie ein „feuriger Tanz des Lebens“ aussehen, wirken Nicht-Bio-Trauben „stumpf, leer und informationslos“. Leider kann ich aus Copyright-Rechtlichen Gründen kein solches beeindruckendes Foto veröffentlichen, aber über Amazon gibt es ein Buch von Herrn Dänzer mit ganz vielen solcher beeindruckender Abbildungen.

Was den Preis der Bio-Ware betrifft, kann ich nur eines sagen: Natürlich ist es schön, wenn das Bewusstsein für hochwertige Lebensmittel beim Verbraucher ankommt und auch die Discounter reagieren und Bio-Produkte in ihr Sortiment aufnehmen. Auf einmal kommen Lebensmittel auf den Markt, die trotz Bio-Qualität weniger kosten also die gleichen Lebensmittel aus konventionellem Anbau. Doch der Preisdruck hat auch Nachteile: Viele Bio-Produkte werden aus Ländern eingeführt, in denen die Richtlinien nicht streng überwacht werden, was wiederum die Qualität negativ beeinflusst, und um die Produktionskosten möglichst gering zu halten, werden die Lebensmittel in Ländern hergestellt, in denen die Lohnkosten unterstes Niveau haben und die Menschen kaum davon leben können. Zudem macht dieser Preiskampf die eigenen Biohöfe in Deutschland kaputt, denn diese können finanziell nicht mithalten und machen bei gewissenhaftem Bio-Anbau mehr Verlust als Gewinn.

Wie ernährst du dich? Bio oder konventionell? Ich freue mich, wenn du einen Kommentar unter diesem Artikel hinterlässt und über deine Erfahrungen berichtest.

2017-02-17T21:49:27+00:0018. März 2015|Allgemein|0 Comments

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